Ein bewurzelter Cannabis Steckling ist noch lange keine stabile Pflanze. Genau in den ersten Wochen nach der Bewurzelung entscheidet sich, ob er kräftig weiterwächst oder stagniert, und die meisten Fehler passieren dabei nicht beim Schneiden oder Bewurzeln selbst, sondern direkt danach bei Licht, Wasser und Dünger. Dieser Ratgeber erklärt, wie viel Licht ein Steckling in welcher Phase braucht, wie oft und womit gegossen wird, wann Düngen tatsächlich hilft statt zu schaden, und woran man erkennt, dass ein größerer Topf fällig ist.
- Licht: 100 bis 200 PPFD direkt nach der Bewurzelung, danach schrittweise auf 300 bis 500 PPFD steigern
- Gießen: etwa 25 bis 33% des Topfvolumens pro Gießvorgang, pH-Wert 5,5 bis 6,5
- Düngen: in den ersten 7 bis 10 Tagen gar nicht, danach stark verdünnt mit 25 bis 50% der Herstellerempfehlung
- Umtopfen: sobald Wurzeln am Topfrand sichtbar werden oder das Wachstum stagniert
- Der häufigste Anfängerfehler ist zu frühes Düngen, nicht zu spätes
Licht für Stecklinge: Intensität und Zyklus
Direkt nach der Bewurzelung braucht ein Steckling immer noch deutlich weniger Licht als eine ausgewachsene Pflanze in der Vegetationsphase. 100 bis 200 PPFD reichen in dieser Phase völlig aus, mehr bringt keinen Vorteil, sondern erhöht nur die Verdunstung über die Blätter.
| Phase | Lichtstärke | Lichtzyklus |
|---|---|---|
| Direkt nach Bewurzelung | 100 bis 200 PPFD | 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit |
| Übergang, 3 bis 5 Tage | in Schritten von 50 bis 75 PPFD pro Tag steigern | 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit |
| Etablierte Vegetationsphase | 300 bis 500 PPFD | 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit |
Der Lichtzyklus selbst bleibt in dieser gesamten Zeit gleich, 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit, das entspricht der natürlichen Vegetationsphase und löst keine Blüte aus. Nur die Intensität wird angepasst, nie der Zyklus selbst.
Gießen: Menge, Rhythmus und pH-Wert
Ein einfacher Indikator für den richtigen Gießzeitpunkt ist das Gewicht des Topfs: Fühlt er sich deutlich leichter an als kurz nach dem letzten Gießen, ist es Zeit für Wasser. Als Faustregel gilt eine Gießmenge von etwa 25 bis 33% des Topfvolumens, das versorgt die Wurzeln ausreichend, ohne Staunässe und das damit verbundene Risiko für Wurzelfäule zu riskieren.
- Wassertemperatur: Zimmertemperatur, kaltes Wasser direkt aus der Leitung schockt die noch empfindlichen Wurzeln.
- pH-Wert: 5,5 bis 6,5. Nur in diesem Bereich kann die Pflanze Nährstoffe zuverlässig aufnehmen, selbst wenn genug davon im Substrat vorhanden sind.
- Rhythmus: lieber seltener und dann gründlich gießen als täglich kleine Mengen, das fördert außerdem ein tieferes Wurzelwachstum.
Düngen: Warum weniger am Anfang mehr ist
Hier passiert der wohl häufigste Fehler bei frisch bewurzelten Stecklingen: In den ersten 7 bis 10 Tagen sollte überhaupt nicht gedüngt werden. Die frischen Wurzeln sind extrem salzempfindlich, und ein zu früh gegebener Dünger bremst das Wachstum eher, als es zu fördern. Nach unserer Einschätzung ist genau das der Punkt, an dem viele Einsteiger es zu gut meinen und damit das Gegenteil erreichen.
- Tag 1 bis 10: kein Dünger, nur Wasser mit korrektem pH-Wert
- Ab Woche 2: stark verdünnter Wachstumsdünger, 25 bis 50% der Herstellerempfehlung
- Geeignete Dünger: stickstoffarme Formulierungen, idealerweise mit Wurzelstimulator statt mit hohem N-Anteil
Ein nahrungsarmes Substrat wie BioBizz Light Mix macht diese ersten Wochen ohnehin leichter, weil es die Pflanze in dieser Zeit gar nicht erst mit Nährstoffen überfordert. Erst wenn sichtbares neues Wachstum an der Triebspitze zeigt, dass der Steckling wirklich angewachsen ist, lohnt sich der erste, stark verdünnte Düngergang.
Umtopfen: Der richtige Zeitpunkt und die richtige Topfgröße
Zwei Signale zeigen zuverlässig, dass ein größerer Topf fällig ist: Wurzeln werden am Rand oder am Boden des aktuellen Topfs sichtbar, oder das Wachstum stagniert spürbar, obwohl Licht, Wasser und Dünger stimmen. Wer zu früh umtopft, riskiert Wurzelschäden beim Umsetzen, wer zu spät umtopft, bremst unnötig das Wachstum.
Beim Umtopfen selbst kommt eine nährstoffreichere, aber weiterhin locker durchlüftete Erde zum Einsatz, anders als das nahrungsarme Startsubstrat. Der neue Topf sollte spürbar, aber nicht übertrieben größer sein, ein zu großer Sprung erhöht das Risiko für Staunässe in den Bereichen, die noch keine Wurzeln erreicht haben.
Nährstoffmangel erkennen
Gelbliche untere Blätter deuten meist auf Stickstoffmangel hin, was in der frühen Phase seltener vorkommt als überdüngung. Häufiger sind blasse, aber nicht welke Blätter ein Zeichen dafür, dass der pH-Wert außerhalb des Zielbereichs liegt und die Pflanze Nährstoffe deshalb nicht aufnehmen kann, selbst wenn genug Dünger im Substrat steckt. In diesem Fall zuerst den pH-Wert des Gießwassers prüfen, bevor mehr Dünger gegeben wird.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie oft sollte ein Steckling gegossen werden?
Nicht nach festem Zeitplan, sondern nach Topfgewicht. Fühlt sich der Topf deutlich leichter an, ist Gießen fällig, meist alle 2 bis 4 Tage, abhängig von Topfgröße und Umgebungstemperatur.
Wann darf ein Steckling zum ersten Mal gedüngt werden?
Frühestens nach 7 bis 10 Tagen, und dann nur stark verdünnt mit 25 bis 50% der Herstellerempfehlung. Früheres Düngen schädigt die noch salzempfindlichen jungen Wurzeln eher, als dass es hilft.
Welche Lichtstärke braucht ein Steckling nach der Bewurzelung?
100 bis 200 PPFD direkt nach der Bewurzelung, danach über 3 bis 5 Tage in Schritten von 50 bis 75 PPFD pro Tag auf 300 bis 500 PPFD steigern. Ein abrupter Sprung führt zu Lichtbleiche.
Woran erkenne ich, dass ein Steckling einen größeren Topf braucht?
Wurzeln werden am Topfrand oder Topfboden sichtbar, oder das Wachstum stagniert trotz korrektem Licht, Wasser und Dünger. Beide Signale zusammen sind ein noch stärkerer Hinweis als eines allein.
Welcher pH-Wert ist beim Gießen wichtig?
5,5 bis 6,5. Liegt der pH-Wert außerhalb dieses Bereichs, kann die Pflanze vorhandene Nährstoffe nicht richtig aufnehmen, selbst wenn ausreichend Dünger im Substrat vorhanden ist.
Kann zu viel Licht einem bereits bewurzelten Steckling schaden?
Ja, ein zu abrupter Sprung in der Lichtstärke führt zu Lichtbleiche an den Blattspitzen. Die Steigerung sollte deshalb über mehrere Tage in kleinen Schritten erfolgen, nicht auf einmal.
Was tun bei gelben Blättern nach dem Umtopfen?
Erst prüfen, ob es sich um die unteren, älteren Blätter handelt, das deutet eher auf normalen Stickstoffbedarf hin. Bei blassen, aber nicht welken Blättern zuerst den pH-Wert des Gießwassers kontrollieren, bevor zusätzlich gedüngt wird.
Fazit: Zurückhaltung zahlt sich in den ersten Wochen aus
Die Pflege eines frisch bewurzelten Stecklings ist weniger eine Frage von mehr Licht, mehr Dünger oder mehr Wasser, sondern von der richtigen Dosierung zur richtigen Zeit. Wer in den ersten 7 bis 10 Tagen komplett auf Dünger verzichtet, die Lichtstärke langsam steigert und nach Topfgewicht statt nach starrem Plan gießt, vermeidet die meisten Probleme, bevor sie entstehen. Das Umtopfen selbst ist dabei der unkomplizierteste Schritt, solange man auf die beiden klaren Signale wartet, sichtbare Wurzeln am Topfrand oder stagnierendes Wachstum.
- Wann sollte man Cannabis düngen? Der komplette Leitfaden für jede Wachstumsphase: supermicrobes.de
- Cannabis düngen: NPK-Plan, Mengen & Zeitpunkt: strainlab.de
- Sämlings- & Stecklingsphase: Guide für starke Pflanzen: cannabiscompass.de
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